Dienstag, 2. Oktober 2018, 20 Uhr

„Pianissimo!“

Hélène Grimaud
Hélène Grimaud

Schillernder Klavierstar – Mit Tönen malen

„Klänge, die man nicht mehr vergisst“ – so könnte die Überschrift nach einem Konzertabend mit Hélène Grimaud lauten. Die französische Ausnahmepianistin wird auf der ganzen Welt gefeiert. Ein Glücksfall, dass sie in diesem Jahr beim „Festival der Nationen“ neben zwei Orchesterkonzerten auch mit einem Klavierabend zu hören ist.

Die faszinierende Persönlichkeit des Klavier- Weltstars spiegelt sich nicht nur im Facettenreichtum ihres Repertoires und in der Einfallsfülle ihrer Programmgestaltung wider, die immer wieder von Grimauds synästhetischer Begabung profitiert.

Hélène Grimaud ist die Impressionistin unter den Pianisten, die Klangfarbenexpertin, die wie mit feinem Pinsel die Tausend und Abertausend Töne eines Konzerts vorsichtig aufträgt und vor den Augen (und Ohren) des Publikums zu einem Gesamtkunstwerk verbindet. Denn Hélène Grimauds Programme folgen stets einer besonderen Idee: Als Synästhetikerin erkennt sie Klang- und Farbverwandtschaften zwischen den Werken verschiedenster Komponisten, die anderen verschlossen bleiben. Doch in den Klavierabenden der französischen Pianistin werden sie auf magische Weise spürbar.

Hélène Grimaud ist somit der Garant für individuelle, bisweilen vollkommen überraschende Interpretationen der großen Klassikliteratur und hat sich mit ihren ganz persönlichen Interpretationen einen Namen gemacht. Sie liebt es, Schwerpunkte zu verschieben, durch geschickte Phrasierungen unorthodoxe Zusammenhänge herzustellen und mit tiefsinniger Raffinesse dem Allzubekannten zu Leibe zu rücken. Während viele ihrer Kollegen inzwischen zu berechenbaren Größen geworden sind, bietet die Südfranzösin in ihren jährlichen Konzerttourneen stets neue Ergebnisse aus ihrer Künstlerwerkstatt.

So bescheinigten ihr denn auch deutsche Journalisten anlässlich eines Pressetages in Berlin „beängstigende Intelligenz“, „Beredtheit und aparte Schönheit“ sowie ihrem Spiel „Eigensinn und ungestüme Intensität“. Zudem ist sie eine der wenigen Künstlerinnen, die bereits als jugendliches Talent die wichtigsten amtierenden Größen ihres Fachs anzog: Von Daniel Barenboim, der die 18- Jährige zu einem Klavierkonzert einlud, bis Martha Argerich, von Leon Fleisher bis Dmitri Bashkirov, der ihr Spiel maßgeblich beeinflusste. Inzwischen ist aus Hélène Grimaud eine unbestrittene Künstlerpersönlichkeit ihrer Generation geworden und gehört zu den beliebtesten Künstlerinnen unserer Zeit.

Bei diesem Klavierabend trifft das pianistische Feuerwerk von Johannes Brahms auf große Kunst der kleinen Form: Neben Frédéric Chopin, Claude Debussy und dessen humorvollen Zeitgenossen Erik Satie würdigt Grimaud auch den ukrainischen Komponisten Valentin Silvestrov, der seine Klangbagatellen als „kleine Juwelen“ beschreibt – Miniaturen ohne ideologisches Gepäck, kreative Geistesblitze.

Ein musikalisches Geschenk für uns alle, hautnah dabei zu sein, wenn Hélène Grimaud in den impressionistischen Kosmos eintaucht und Verbindungslinien in die romantischen Klangwelten aufzeichnet.

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